180 Grad Meer – Sarah Kuttner

“Meer ist nichts wert, wenn es sich nicht um 180 Grad vor mir erstreckt”

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Titel: 180 Grad Meer
Autor: Sarah Kuttner
Genre: Roman, Familie, Road-Trip
Verlag: Fischerverlag
Seitenanzahl: 272 (Kindle)
Veröffentlicht: 31 Dezember 2015
Preis: 16,99€ (Kindle)
Bewertung: 5 Sterne

 

 

 

 

Worum geht es?

Nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat, ist Jule mit ihrem Bruder und ihrer selbstmordgefährdeten Mutter aufgewachsen. Als Erwachsene hat sie sich einen Alltag geschaffen, in dem sie alles nur noch irgendwie erträgt: ihren Job als Sängerin, die unzähligen Anrufe ihrer Mutter, den ganzen Hass in ihr, der sie fast verschwinden lässt. Als auch ihre Beziehung zu bröckeln beginnt, flieht sie zu ihrem Bruder nach England, auf der Suche nach Ruhe und Anonymität.

Doch dort trifft sie auf ihren Vater, der im Sterben liegt. Zaghaft beginnt Jule einen letzten Versuch, sich dem Mann anzunähern, von dem sie sich ihr Leben lang im Stich gelassen gefühlt hat.

Eine tragikomische Road-Novel über das komplizierte Verhältnis zu den eigenen Eltern und den Wunsch, Urlaub von sich selber machen zu können.

Meine Meinung:

Ich habe dieses Buch als Hörbuch auf Spotify gehört. Bei 87 Titel hat es eine Spielzeit von 5 Stunden und 58 Minuten.

Ich glaube ja, dass Sarah Kuttner in ihrer Art und Weise jemand ist, den man entweder liebt oder hasst – für mehr ist zwischendrin einfach kein Platz, genau so ist es bei ihren Büchern. Ich gehöre aber eindeutig zu den Menschen, die sie lieben. Dadurch das Sarah selbst liest, wirkt alles viel authentischer und einfach näher.

180 Grad Meer ist ein wundervoller Roman. Ich mag die Verkorkstheit der Protagonistin und kann mich extrem gut in ihre Situation hineinversetzen. Sie weiß irgendwie nicht genau, was sie vom Leben will oder eher was das Leben eigentlich von ihr erwartet, zudem hat sie noch Stress mit ihrem Freund, Tim und so macht sie auf reiß-aus und begibt sich in Exile zu ihrem Bruder nach England.

Ich mag wie sehr Sarah dieses ganz normale Leben beschreibt. Unsere Protagonisten sagt von sich selbst, dass sie kein schöner Mensch sei und sich selbst hasst. Generell glaube ich ja, dass viele (junge) in ähnlichen Situationen sind und mit sich und ihrem Leben einfach nicht zufrieden sind, aber Jule hatte keine einfache Kindheit. Vater weg, Mutter selbstmordfährdet, also wirklich Kind sein konnte sie nie. Das erklärt auch irgendwie ihren Selbsthass und den Hass auf ihre Mutter und Vater. Und sogar ein bisschen den Hass, welchen sie auf gewisse Weise auch gegen das Leben und die Welt hat. All der Hass ist teilweise auch der Grund, warum ihre Beziehung jetzt vor die Hunde geht.

Sie hat Probleme zu lieben (wie denn auch, wenn man sich selbst hasst?) außer ihren Bruder Jakob. Den hat sie wirklich lieb und mit dem kommt sie auch gut klar, aber richtig offen ist sie am Anfang auch nicht und irgendwie druckst Jule immer wieder rum.

Trotz dass das eigentliche Thema des Buches ziemlich ernst ist, ist das Buch doch irgendwie komisch erzählt. Besonders die Abenteuer mit dem Leihhund und im Seniorenheim. Und dennoch sind es genau diese beiden Dinge, die Jule etwas mehr zu sich selbst finden lassen.

“Nur in seiner Weite und Unnahbarkeit berührt mich das Meer. Diese wunderbare, düstere Aussichtslosigkeit, die einen vor einem eingegoßener Ozean vermittelt, fasziniert mich.”

Wie Jule liebe ich das Meer. Wenn ich nicht die Möglichkeit habe, einfach mal schnell ans Meer zu fahren, geht es mir nicht gut. Das Meer ist glaube ich einer der Gründe, weshalb ich noch immer in Helsinki lebe und mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen kann, nicht nicht mehr am Meer zu leben. Allein schon deswegen habe ich diese beiden Zitate in meine Rezension eingebaut. Sie sind einfach viel zu passend, um sie nicht zu lieben.

Ein happy-end gibt es in dem Sinne leider nicht, aber das macht nichts, denn das Buch war einfach nur treffend und schön.

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Author: Fhina

Ocean soul. 28 years old book lover living in Helsinki, active reader and coffee addict.

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